Arbeitsübersetzung. Das Originalmaterial ist oben verfügbar.
Ausstellung des Ateliers für räumliche Aktivitäten von Mirosław Bałka, Warschau, 2014
O. Ch. führte die Menschen über die Straße Kanonia auf den Platz, indem er ein weiß-rotes Stäbchen warf. Es war Teil der Absperrung bei den noch am Vortag dort stattfindenden Erdarbeiten an der Kanalisation gewesen. Das an die polnische Nationalflagge erinnernde Stäbchen fiel an verschiedenen Stellen zu Boden. Der Autor ging zunächst selbst dorthin und rief erst dann die Zuschauergruppe zu sich. Auf dem Platz schrieb er die Worte „powstań, wyjdź, chodź“ — Steh auf, geh hinaus, komm — in die Luft und brachte mit kleinen Glöckchen gleichsam jene Glocke zum Erklingen, die dort als Denkmal steht, wo sich einst der älteste Friedhof der polnischen Hauptstadt befand, neben den Krypten, in denen große Polen bestattet sind. Anschließend spannte er gemeinsam mit drei Freiwilligen oberhalb der Glocke ein weißes quadratisches Tischtuch in der Größe des Denkmalsockels auf. Darauf warf er eines der kleinen Glöckchen, das empfindlichste gegenüber Schwingungen, und ließ es eine Weile frei unter dem Einfluss der Bewegungen der Haltenden und der Luftbewegungen klingen. Danach schrieb er „powróć“ — Kehre zurück — in die Luft und läutete noch einen Augenblick weiter, um schließlich erneut das Stäbchen zu werfen. Nach einigen Würfen führte er die Versammelten aus der Straße Kanonia hinaus. Es war eine Fortsetzung des Performance-Tourismus, den er nun zum zweiten Mal organisierte: zuvor zusammen mit Przemysław Kwiek in der Wawerska Strefa Kultury, diesmal entlang der Straße Kanonia in Warschau.
(Foto: Anna Jochymek)