Arbeitsübersetzung. Das Originalmaterial ist oben verfügbar.
Beschreibung der Teilnahme an „Perfidia Perfearance IV“
TRIPTYCHON
1. „Inwigil-akcja“ — Überwachungsaktion.
Thema der Installaktion: der Künstler. Beschriftung: „Wenn du an der Aktion teilnehmen möchtest, mach es dir bequem. Denk jedoch daran: Wenn du hier bist, bist du Teilnehmer.“ Tisch und Stuhl; auf dem Tisch ein Computer, darauf eine geöffnete Facebook-Seite. Am Bildschirm ist ein Zettel mit dem Benutzernamen und dem Passwort für mein Profil auf diesem Portal befestigt. Daneben einige Objekte, die ich in meinen früheren Performances verwendet habe, ähnliche Spuren/Dokumente. Alles liegt so da, als hätte ich es zurückgelassen, wie eine Hülle: scheinbar arrangiert, tatsächlich aber die Aufzeichnung einer Performance des Autors über den Autor. Mein Facebook-Profil verändert sich durch die Handlungen, die die Zuschauer darin ausführen.
2. „Pasaż“ — Passage.
Thema der Aktion: die Botschaft. Beschriftung: „Wenn du an der Aktion teilnehmen möchtest, tu einfach etwas, das du mit einer Passage, einer Allee, einem Weg verbindest. Denk jedoch daran: Sobald du die Passage betrittst, bist du ihr Teilnehmer.“ Briefe austragend lege ich mehrere Dutzend Meter entlang einer Allee zurück. Die Zuschauer können mich erkennen, müssen es aber nicht. Auf jeden Fall können sie eine Information darüber finden, wo und zu welcher Uhrzeit die Situaktion „pasaż“ stattfindet. Natürlich finden nicht alle die Anleitung; manche betreten die Passage, ohne zu wissen, dass dort eine Aktion stattfindet. Es vollzieht sich also eine Verschiebung, bei der die Zuschauer typische Verhaltensweisen in einer Passage und Abweichungen davon betrachten können: das Verhalten von Menschen, die sich ihres Daseins dort bewusst sind oder nicht.
3. „Z-widownia“ — Aus dem Zuschauerraum.
Thema des Schauspiels: der Zuschauer. Beschriftung: „Wenn du an diesem Schauspiel teilnehmen möchtest, tu einfach etwas, das du mit einem Zuschauerraum verbindest. Denk jedoch daran: Wenn du im Zuschauerraum bist, bist du Teilnehmer.“ Bild und Ton des gefilmten Zuschauerraums werden live auf ihn selbst projiziert. Ich initiiere dort kleine Situationen, ohne mich dabei zu erkennen zu geben.
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THEORIE:
Thema des Triptychons „Nie-post-szerzenie“ ist das Verhältnis zwischen dem Künstler, der Botschaft des Werks und dem Rezipienten. Das Triptychon (griechisch triptichos) ist in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Form des Altaraufsatzes in einer gotischen Kirche. Dies legt eine religiöse Interpretation nahe, also die Metapher einer universellen Perspektive: Absolutes–Wahrheit–Mensch.
Das Triptychon findet seinen Widerhall in der Frage nach den existenziellen Folgen der „Schwäche Gottes“, des „Endes der großen Erzählungen“ und des „Pluralismus der Ideen“. Diese Perspektive ist also durchaus berechtigt, doch betrachten wir die zuerst genannte. Unter den Zuschauern ist ein traditionelles Verständnis der Kunst und der Rolle des Künstlers verbreitet. Nicht nur in Polen werden der aktuellen Kunst eine Überintellektualisierung oder, umgekehrt, Banalität vorgeworfen. Man spricht von einem „Missverständnis“ zwischen Autor und Rezipient, von der Polysemie des Werks, davon, dass erst die Interpretation das Kunstwerk schafft, von einer Landschaft der Rhizome, von den Zeichen zugeordneten Bedeutungen, vom offenen Kunstwerk und von der formbildenden Rolle der Vorstellungskraft des Zuschauers; dieser selbst wird dem Künstler gleichgestellt. Marktplatz statt Tempel.
Das Triptychon ist eine Rezeption des Zustands der gegenwärtigen Beziehung Künstler–Werk–Rezipient. Wie das institutionalisierte „Feld der Kunst“ ist das Triptychon ein Raum wechselseitiger Beziehungen zwischen Schaffenden und Rezipienten. Die Institution legitimiert das Handeln des Künstlers als Moderator, der eine bestimmte Umgebung hervorbringt; der Rezipient als Nutzer gestaltet sie, indem er sie an seine konkreten Bedürfnisse anpasst.
Ist damit die Rolle des Künstlers als Sender einer Botschaft bereits zu einem historischen Phänomen geworden? Auf der Suche nach einer Alternative, um dennoch etwas vermitteln zu können, verberge ich diese Botschaft im Triptychon als „lethe“ und „ereignis“, die ebenso wie die Performance Ereignischarakter besitzen. So finde ich die Methode einer durchscheinenden Inspiration als nichtnormativen und vollkommen demokratischen Inhalt.
Der Mittelteil behandelt die Frage nach der Botschaft in der Kunst. „Pasaż“ beleuchtet menschliche performative Verhaltensweisen, gewohnheitsmäßige Performances und ihre Bestandteile, die der Autor Perfoneme nennt. Er soll zum Nachdenken über Botschaft, Sinn und Mitteilung als Werte in einer ihrer beraubten postkulturellen Wirklichkeit anregen und dazu, über die Folgen ihres Fehlens nachzudenken. Die Seitenflügel behandeln dagegen die Frage nach Künstler und Rezipient. „Inwigil-akcja“ ist eine konnektive hypertextuelle Selbstlegende eines sich selbst überschreitenden Entlarvers der Überwachungsfunktion von Institutionalität. „Z-widownia“ ist eine empathische Epistemologie des „performativen Ichs“ des Künstlers und die daraus hervorgehende koperformative Erfahrung. Auf diese Weise impliziert das Triptychon sehr viele Kontexte, deren allgemeiner Modus vivendi das Präfix „post“ als Anti-Postprinzip ist. Die Perfidie besteht in der Extremität, mit der die Inspirationen im Triptychon zur Botschaft werden: Der Autor vermittelt dies dem Rezipienten unmerklich im Durchscheinen aller Bestandteile dieser dreiteiligen Komposition.