Aut.: Norbert Delman
QUELLE –
http://www.nowyteatr.pl/event/kohezja
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DEFINITION
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>Kohäsion – allgemeine Bezeichnung für das Phänomen, dass physische Körper ihrer Aufteilung in Teile Widerstand entgegensetzen. Ihr Maß ist die Arbeit, die benötigt wird, um einen bestimmten Körper in Teile zu zerlegen, geteilt durch die dabei entstehende Oberfläche.
Kohäsion darf nicht mit Adhäsion verwechselt werden, also der Fähigkeit der Oberflächen physischer Körper, sich miteinander zu verbinden. Obwohl beide Phänomene auf unterschiedlichen zwischenmolekularen Wechselwirkungen beruhen, ist Adhäsion ein reines Oberflächenphänomen, während Kohäsion aus Kräften hervorgeht, die im Inneren des auseinandergerissenen oder zusammengedrückten Körpers wirken.
http://pl.wikipedia.org/wiki/Kohezja_(zjawisko_fizyczne)
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» Substantiv Kohäsion
Synonyme: Kohäsion, Verbindung, Zusammenhalt, Geschlossenheit, Kompaktheit
http://megaslownik.pl/slownik/synonimy_antonimy/7568,kohezja
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Zusammenhalt, Kohäsion – Eigenschaft von Körpern, sich ihrer Aufteilung in Teile zu widersetzen; sie ergibt sich aus den Wechselwirkungen zwischen den Molekülen oder Atomen dieser Körper (Kräften chemischer Bindungen in Kristallen, zwischenmolekularen Wechselwirkungen in Flüssigkeiten); den größten Zusammenhalt weisen Festkörper auf, einen geringeren Flüssigkeiten, bei Gasen fehlt er fast vollständig; eine Folge der Kohäsionskräfte ist die Oberflächenspannung. (Nowa encyklopedia powszechna PWN, Band 5, erste Auflage, Warschau 1996).
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Die größtmögliche Kohäsion auf unserem Planeten ist bei der Temperatur des absoluten Nullpunkts möglich, also bei -273 Grad Celsius, denn dort gibt es keinerlei Energie, keinerlei Bewegung, alles ist statisch, unbeweglich und beinahe unveränderlich. Unter allen anderen Bedingungen hat stets der Diamant die größte Kohäsion.
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BERICHT
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Dies ist ein bescheidener, sehr subjektiver Bericht, als Bewusstseinsstrom erzählt. Alle, die dort waren und es erlebt haben, werden mir gewiss widersprechen, dass es so gewesen sei, wie ich sage; eben deshalb ist es also genau so gewesen, wie ich sage. Ich schreibe bewusst in dieser Form, um diese Ereignisse sofort schöpferisch zu verwerten und mich nicht auf den Maßstab der Mimesis verkleinern zu lassen, in den ich nicht hineinpasse. Es war so, wie ich es beschreibe, im Jahre A.D. 2013...
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...Die Werkstatthalle des Nowy Teatr, einst eine Fahrzeugreparaturhalle der MPO
Quelle: warszawa1939.pl/
sollte sich gerade verwandeln
Entwurf: Dorota Borysiewicz, Andrzej Piłatowski, Andrzej Wyszyński/
http://www.architektura.info/index.php/architektura_polska/z_calej_polski/nowy_teatr_w_warszawie
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ihr Aussehen und ihre Bestimmung ändern; eigentlich bestand sie schon in einer anderen Funktion, doch der Zusammenhang mit ihrer Geschichte und ihrer früheren Funktion war noch lebhaft gegenwärtig
Foto: fakt.pl
in das Gelände an der ulica Madalińskiego in Warschau eingerieben wie Öl in den Boden ihres Inneren, weckte die Halle weiterhin eher Assoziationen, die nichts mit Kunst zu tun hatten

Foto: warszawawobiektywie.waw.pl/
und dennoch konzentrierte sich gerade hier, gerade an der Berührungsstelle zwischen zwei Zuständen und Funktionen des Gebäudes, die schöpferische Idee der Kohezja – nicht allein einer Ausstellung, sondern des Phänomens, in dem eine bestimmte Wirklichkeit ausstrahlt. Augenblick und Thema einander überlagert, um einander zu erfassen. Ein Ort in der Zeit und die Zeit einer veränderten Bestimmung des architektonischen Objekts, aber eben auch des Bewusstseins der mit ihm verbundenen Menschen. Gerade dieses Bewusstsein und die darin stattfindende Verwandlung waren wesentlich. Dazu die Kohäsion selbst als Eigenschaft von Körpern und als physisches und metaphysisches Phänomen. Dies wird also keine trockene Dokumentation der Ausstellung, sondern eher ein Arte-Fakt, ein Dokument des Phänomens, Beweis- und Forschungsmaterial für die Physik der Gesellschaft, für die Philosophie und andere Disziplinen und ein kontext-uelles Objekt in der Kunst.
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Es begann noch gegen Ende des Jahres 2012. Eine Gruppe Studierender der Akademie der Bildenden Künste aus dem Atelier für räumliche Aktivitäten von Prof. Mirosław Bałka betrat die Halle der ehemaligen MPO-Betriebe in Warschau an der ul. Madalińskiego 10.

Foto: Tymon Nogalski
/es war eine Erkundung, ihre erste Berührung des Ortes und die Berührung, mit der der Ort sie berührte, ein Kennenlernen

Foto: Tymon Nogalski/
selbst noch ohne Kenntnis ihrer wesentlichen Rolle standen sie bereits vor einer Aufgabe, in diesem Augenblick des Erkennens noch unbewusst, doch tief und einhellig erahnt, wobei das Unvermögen, sie zu benennen, vielleicht von wesentlicher Bedeutung war. Ich erinnere mich an jenes damals unscharfe Gefühl des Abschleifens, Reibens, Zerreißens, Zusammenstoßens, das alle dort Anwesenden durchdrang. Und so kam es, dass sie nach nicht langer Zeit erneut in die Halle zurückkehrten. Diesmal nicht, um zuzuhören, sondern um zu sprechen. Auf den Lippen trugen sie das Losungswort – Kohäsion; sie suchten danach im Inneren und neben dem Gebäude.
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Es war der Tag der Vernissage. Einige Minuten nach 18 Uhr. Ich betrat das Gelände der Werkstatthalle, den Parkplatz, das Tor des Gebäudes. Davor ein Auto und eine Gruppe Menschen. Ganz
als wäre (wie man damals sagte) da so etwas
Quelle: tvp.info
/ nur irgendwie.. ruhiger? Ich weiß nicht, der Eindruck eines „Marktes“ verwischt, aber vorhanden, nur irgendwie weniger und auf andere Weise. Vor dem Tor ein geparktes Auto
Foto: Mateusz Choróbski
/ Marke Nissan Bluebird. Motor aus, Türen offen, Licht an
Foto: Mateusz Choróbski
/ der Fahrer ist irgendwohin gegangen. Vielleicht in die Halle hinein, aber nicht unbedingt. Im Fahrzeug ein Buch
Foto: Mateusz Choróbski
/der Text der Tragödie von Maurice Maeterlinck mit dem Titel The Blue Bird (Der blaue Vogel). Echo-(Ko)-häsion des Namens, Sammlung, Tesserakt

Foto: Mateusz Choróbski
/eine Tragödie über den Kampf gegen die „Mächte des Schattens“, das Auto – ein Drache, eine Kriegsmaschine, in den Kampf gegen den Schatten eingespannt, das Tor mit seinen Scheinwerfern beleuchtend. Zudem der Autor und Fahrer (Mateusz Choróbski), im Schatten verborgen. Ich traf ihn später; er erzählte, wie er, im Schatten verborgen, an jenem Ort erschienen war. Kohäsion verschiedenartiger Körper, semantische Kohärenz eines hyper-textuellen Spiels. Das beleuchtete Tor, aus Blech, klirrend, schwer. Ich öffnete es und trat ein, in der Erwartung, die Halle zu sehen. Stattdessen.. sah ich in etwa einem Meter Entfernung einen schwarzen Vorhang, der den Blick versperrte und einen Tunnel bildete. Die Intensität des Augenblicks, gerade erst durch die Dichte der Widersprüche in einem einzigen Phänomen hervorgerufen, einem fahrbereiten Auto ohne Fahrer, schien der Grund meiner angestrengten Aufmerksamkeit zu sein. Einer Aufmerksamkeit, die nötig war, um dieses mit dem Parfüm „Comme des Garcons 888“ getränkte Gewebe nicht zu ignorieren und in meiner Neugier auf die „Halle“ nicht zu übergehen

Foto: Krzystof Bagiński
/keinerlei Information, nur der Vorhang, hoch hinauf, weit nach beiden Seiten, durch die Mitte zugenäht, durch den Akt des Zunähens geschlossen, mit Sand beschwert, dick, weich und duftend, schwarz. Duftend nach dem Parfüm, mit dem, wie der Autor Krzysztof Bagiński im Ausstellungsplan verriet, das Gewebe getränkt war, um an den Hausherrn zu erinnern – Krzysztof Warlikowski. Dieser Regisseur und Direktor des Nowy Teatr, das in der Halle jeden Augenblick seinen vollen Betrieb aufnehmen sollte, benutzte damals dieses Parfüm; es war sein Geruch. Der Hausherr, wie wesentlich es doch ist, wer der Hausherr ist, ein Zeichen des Erinnerns, ein Zeichen des Taktes und der Aufmerksamkeit für den noch nicht eröffneten, neuen Inhalt des Ortes. Zugleich aber ein geschlossenes Tor, ein Sesam, eine Frage. Der zugenähte, fast unbewegliche Vorhang und nur der kaum wahrnehmbare Geruch der Anwesenheit von Schauspielern. Nur der Tunnel, wie ein Schlüsselloch, ließ mich hinausgelangen, und dann sah ich die Halle voller Menschen und Objekte

Foto: Anna Jochymek
/ vor allem jener in Weiß, die Tabletts mit weißen Häufchen hielten. Ich folgte ihrer Spur
Foto: Anna Jochymek
/ ich sah genauer hin. Es war Zucker.
Foto: Anna Jochymek
/die Kellner boten ihn den Vernissagegästen an, häufig und immer wieder – „często-wali“ –, den von ihrer Aufdringlichkeit bedrängten Betrachtern. Betrachtern, die mit ihnen in eine Interaktion, ein psychologisches Spiel eintraten
Foto: Anna Jochymek
/ oder von ihrer „kohe-niczność“, dem kohäsiven Zwang einer nahezu wortlosen Aufdringlichkeit, umzingelt waren
Foto: Anna Jochymek
/ von Andeutungen und der Hex-Agonie einer Wachsamkeit, die der Falle entkommen, sich befreien, sich gegen das Joch der Großgrundbesitzer stemmen wollte, die sich immer wieder einen neuen Gast suchten
Foto: Anna Jochymek
/ handelten sie etwa im Dienst des Hausherrn? Zweifellos möglicherweise, doch in der Praxis waren es die Kellner der Künstlerin
Foto: Anna Jochymek
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Ania Jochymek, 36 an der Zahl
Das Hexagon und die Zahl 36 verdecken die Tiefe einer intimen Familiengeschichte oder verbergen in deren Tiefe vielleicht eine kristalline Kontrapunktik. Hex, griechisch sechs, und gonia, griechisch Ecke, Winkel.
Foto: Anna Jochymek
/ die Allgegenwart dieser Gentlemen führte mich in die Tiefen der Halle, in ihre stillsten Winkel, in die Introversion dieses postindustriellen Bauwerks. Ganz wie in einem Labyrinth wusste ich nicht, wo ich war; etwa in einer Sackgasse? Vor mir eine Regalwand, darauf ein Rechteck aus Büchern, ein Fragment der Bibliothek von Babel?

Foto: 951
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aus dem gewöhnlichen Wachbewusstsein gerissen, sammle ich die Reste meiner Skepsis in diesem Zustand des blinden Winkels, der Ecke, der Bücherwand, der blinden Eule, die jede Bewegung sieht, des Auges des Zeremonienmeisters, des Demiurgen Kurator, des Direktors von Konzepten, Zusammensetzungen, Begegnungen unberührbarer Bücher, Bestandteilen eines Werkes und nicht einer Bibliothek. Ein eingefrorener Prozess, Kohe-tizität des Hypertextums. Eine vielsträngige Erzählung, ein Quasi-Bild. Der Hintergrund polnisch-deutscher Beziehungen, der Intimraum der Ausdrucksschärfe des Autors von „NiemcyPolen“ (DeutschePolen), Adam Janisch, durch seine Aufrichtigkeit intensiv im Universum des Genius Loci eines Helden auf Odyssee durch die Stahlbetonkulisse der Regale. Begegnungen von Titeln und Handlungen, Beziehungs-Bedeutungen: „...die sich in der Zeit ereignende Geschichte konstituiert sich als Genesis“ (Enzo Paci), über mich als Betrachter im Traum, im Dämmerzustand, darüber, dass ich vielleicht der Held eines Dramas bin, dass der Regisseur da ist und ich zwischen den Büchern, ich steige die Leiter zur Erde hinab, sehe einen Tisch, einen Schrank, höre eine Stimme, einen Radiospot
http://www.youtube.com/watch?v=enDiC-4HvUYQuellmaterial öffnen
36 Sekunden Einblick in die Absurdität der Situation. Michał Huszcza hat die Spur eines Menschen vorbereitet und dabei die Prätention dieser ihrer selbst so stolzen Spur untersucht. Ein schäbiges Inneres prallt wieder auf jemandes Geschichte, Erzählung, Welt, ein Zimmer längst vergangener Anwesenheit, in den Ort eingerieben, zerrieben zwischen Wachbewusstsein und dem krankhaften Abgrund von Dämonen und Traumgespenstern; Napoleon über der Menge im Ross winkt aus einer 3D-Reproduktion, im Radio verschwörend-sprechende Erzähler – „spi(s)kujący“ – und ein Tumbr von Bildern einer zur Schau gestellten Privatsphäre, „Selbstwerbungsperversion“, „der Gegenstand als Herr des Spiels“, „wie Masken, die die Identität der Schauspieler verschlingen“, diese Gegenstände „erfüllen die Funktion, den Gesprächspartner zu verschlingen und zu betäuben (uns selbst als Subjekte vermeintlicher Aktanten)“, „we shall be your favourite disappearing act!“ (wir werden eure liebste Verschwindevorstellung sein!; Zitat aus „Spisek sztuki“, Die Verschwörung der Kunst, Jean Baudrillard), kein Mensch, der diesen Ort mit seinem Leben erfüllte/erfüllen würde, überhaupt kein Leben, nur Fetzen, Reste der lebendigen Wirklichkeit eines Menschen, brrr, kalt! Ich gehe hinaus, entdecke eine Wärmeübergabestation
http://www.youtube.com/watch?v=UyOdbpmA1a8&feature=youtu.beQuellmaterial öffnen
ein vorgefundenes Objekt, von keinem Eingriff eines der Künstler berührt, an sich ein akustischer Nachhall der Kohäsion, Ausdruck dessen, was ich fühle: Luft ablassen aus diesem intensiven Intimraum und der Benommenheit aus der Ungewissheit, ob ich noch lebe, ob ich erlebe. Vielleicht werde ich jetzt endlich aufatmen, schärfer sehen und das, was ich sehe, in einer vernünftigeren Sprache beschreiben, wie es sich für einen Zeugen gehört. Deshalb bitte ich euch um Nachsicht und um den Mut, diese Nachsicht nicht von mir zu erwarten, wenn ich ein authentischer Be-weis der Kohäsion und dieser Ereignisse sein soll. Habt ihr eben den Lichtfleck gesehen? Auch ich nahm ihn damals wahr; ich wollte noch etwas lauschen, ging aber kurz darauf zu ihm hin. Es war ein Punkt namens „Cezura“ (Zäsur), eine Geste von Marta Mroczkowska, die so auf eine auf der Erde zurückgelassene Strähne ihres Haars hinwies, vom Wind gepeitscht und gerade der Unachtsamkeit eines Menschen, seiner mangelnden Konzentration ausgesetzt – was Herbert Read in „Sens sztuki“ (Der Sinn der Kunst) als fehlende Freiheit des Rezipienten bezeichnete, wenn der Betrachter das Werk nicht wahrnehmen kann, es aber deutlich da ist, wie der Reflex des durch die Fenster einfallenden Sonnenlichts

Foto: 951
ein seiner Quelle entrissener Lichtfleck, wie dem Kopf entrissene Haare, die mit der unfreien Lärmfülle der Umgebung ringen, voller widerhallender Geräusche. Wie in einem Brunnen. Eines davon erreichte mich stärker; mit monumental klingendem Ton strömte es aus einem kleinen Nebenraum. Ich trat ein: Dunkelheit, leere Regale, ein Lämpchen, das ein Waschbecken mit blauer Flüssigkeit beleuchtete, die aus dem Hahn tropfte, und das allgegenwärtige „Ave Maria“
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blaue Flüssigkeit, Tränen der himmlischen Mutter, die hierher fließen, nicht ins Paradies, ein Paradies an solch einem Ort? Vielleicht ist diese Diva das 5. Element, das den Fabrikraum, die Regale, das punktuelle Licht und die blaue Flüssigkeit zu einem Ganzen verbindet? Die Stimme durchnässte die Wände,
(hier zum Anhören – nicht zum Anschauen)
http://www.youtube.com/watch?v=qALZRWja55oQuellmaterial öffnen
(Originalfassung in Kürze)
das Becken wie ein Wasserfall,
Foto: 951
Tektonik sich angleichender Unterschiede, die Angst vor dem Gleichwerden lässt mich wie vor dem Tod erschaudern, das Gefühl der Kulmination, des Endes, der Beständigkeit, der Kohäsion an einem kritischen Punkt, einer vollkommen waagerechten, einsam niedergelassenen, verlassenen Linie. Ich ging hinaus. Da sah ich etwa ein Dutzend Meter vor mir ein Tor, eines wie am Eingang, wenn auch nicht dasselbe, und dennoch – ist dies vielleicht wirklich die Geschichte eines Betrachters in der Höhle des Schöpfers? Ein Tor voller (ent)fleckter, abgeriebener Kreise

Foto: 951
„Klimaks“ (Klimax) von Sebastian Krok löst die Wand der Zeit auf, die Spuren von Inhalten, die in die Vergangenheit eingehen, mit der kontrollierten Bewegung eines Zirkels vom Durchmesser eines Ellenbogens, aus der Geste gerollt, als Aus-Druck-Bild von Empfindungen, dem Ort zugefügten Wunden. Klimax ist laut der Internetenzyklopädie wiem das letzte, stabile Stadium einer Vegetationssukzession, das aus dem Gleichgewicht zwischen biotischen Faktoren (Vegetation) und abiotischen Faktoren (vor allem Klima und Boden) hervorgeht. Hier scheint es der Augenblick zu sein, in dem eben dieser Boden durch das Klima der Anwesenheit des Autors abgeschliffen wird. Vorbereitung der Umwelt auf eine neue Rolle durch einen Organismus mit ähnlichen Eigenschaften wie der, der sie gleich besiedeln soll. Reinigungen? Reibungen, Zusammenstöße! So gelange ich, einen Kreis ziehend, von einer Tür zur ähnlichen nächsten, ohne Vorhang, offen, einladend, auf die andere Seite der durch Lösungsmittel zugefügten Wunden, mit einem Textverband versorgt

Foto: 951
/ voller Leiden und einer dumpfen, von der Welt nicht verstandenen Erzählung eines verborgenen, einsamen Menschen, irgendwo in einer Ecke und im Schatten, zwischen dem Text und den aus ihm herausgerissenen Fensterchen. In den Rohren fließt Weinen
http://www.youtube.com/watch?v=0Ay_sXehU18Quellmaterial öffnen
und in der Maschine knarrt die Stimme mit dem ursprünglichen Schmerz von Erfahrungen, Altern, Altern, Wiederholungen, kleinen Kreisen, wiederkehrendem Leid, Einsen, dem Klatschen gegen die Wand, auf die Wand gerichtet mit Kreide die Zukunft abzählend, zum Ergebnis des zerschmetternden Zusammenstoßes mit dem unvermeidlichen Verschwinden in Atemlosigkeit. Die von Marcin Kossakowski hier eingeschlossene Einsiedelei einer Erz-Metapher der Körpermaschine, bewegt von Flüssigkeitsresten, vom Geheimnis der Inspirationen, die erlöschen, obwohl sie nebenan so gegenwärtig sind, und doch irgendwo hinter der Wand oder in der Wand, in einem anderen Geschoss, einer anderen Begründung, Zeit.. Trauer und Bedauern, Mitgefühl, Demut, Nachdenklichkeit, Rückzug... Ich verlasse die Ko-häsion der Vereinsamung auf der Suche nach Menschen und höre meinen Namen. Eine Sirenenstimme ruft mich hinter das Gitter
http://www.youtube.com/watch?v=aL_x5uotn2cQuellmaterial öffnen
die Stimme von Anna Kasperska, „Vocativus“ (Vokativ), irgendwo zwischen leeren Regalen. Die Erinnerung an Liegen, Regalböden, Folterassoziationen, eine leidenschaftliche, verführerische Stimme, zudem verführerisch verborgen, und dieses direkte Rufen. Immer weiterer Namen. Männlicher und weiblicher. Die Namen derer, die man hier erwartete.. der Betrachter und meiner.. des Betrachters. Einladend, zu Besuch zu kommen, zurückzukehren oder in eines der Fächer einzuziehen, sich katalogisieren zu lassen, sich zu verbinden. Ich drehe mich zur Tür, Gitter, Stacheldrähte, eine Maschine zum Zusammendrücken, die Tür noch offen, du Wasserfloh. Ich gehe hinaus. Hinter der Ecke begegne ich Linderung, dem Bettzeug meiner eigenen Seele, einem Häuschen aus „piór gęsi białych“ (Federn weißer Gänse)
Foto:
www.michaldabrowski.com
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Wolken, nach all dem, Wolken machen meine Verlorenheit vertraut. All dies dank Marta Mielcarek, der Künstlerin, die gerade hier ihr Häuschen sah, mit Daunen ausgestopft wie ein Kissen, hier am Rand dieser Zone von Hangars, der verborgenen intimen Seite der Halle, die ich gerade verlasse, denn vor mir liegt wieder Raum, hier, wo die Intensität der Kohäsion ihrer nicht bedrängenden Geringfügigkeit begegnet, gedämpft durch die Menge und den Raum. In der Kohäsion der Kohäsion, möchte man sagen, liegt ein Zimmer, illusorisch mit Vogelfederchen ausgestopft.
Ihre Spur war ein Anlass, als wären sie vor dieser ihrer Versammlung Kommas gewesen. Ein Bindeglied aus Weiß in den Fenstern, einer warmen Umkehrung der alltäglichen Winteransicht. Es ist auch ein Nest für Vögel in diesem ihrem (un)natürlichen Zufluchtsort vor der städtischen Maschine, ein Asyl der Vogel-Betrachter. Angeblich stand die Tür dort für sie einen Spalt offen. Drinnen hingegen Wärme, dadurch Gemütlichkeit, doch irgendwie dumpf, als würden jene entblößt, die mit mir – dem Betrachter – gespielt hatten

Foto: 951
Als ich ihr Geheimnis erfahre, bedaure ich, dass es schon zu Ende ist, dass alles klar ist und dass es nun Zeit zum Schlafen wäre, aber nein. Ich gehe hinaus und sehe die Halle, mit offener Brust aus Stahlbetonarmen. Und das Ausatmen der Wärmeübergabestation dreht hinten in meinem Kopf Ruhe und Beherrschung um. Nun kann ich überschwänglich sachlich beschreiben, physisch. Hier, wo ich stand und so schaute, damals in diesem Jetzt, in dieser Kehle der Kohäsion, zwischen ihren Ausdrucksgraden, fand die Performance von Marcelina Jarnuszkiewicz statt. Sie erzählte vom Vertreiben von Krankheiten, Zwangsobsessionen, vom Nicht-Auftreten auf den Pflasterstein, beschrieben durch Klang, Ton, Don-Quichot-terien der Entzauberung abergläubischer Rituale, Tricks und Heilmittel gegen ungehobelte, unbeschriebene neurotische Erscheinungsformen der Vitalität. Gestikulierend und eine Reihe solcher Neutralisierungen ausführend, brachte die Künstlerin den Aspekt der heilenden Eigenschaft von Kohäsion als Gegensatz zur psychischen Zersplitterung näher. Diese Aktion wartet auf ihre Dokumentation. Daneben, nun da ich aus den Eingeweiden der Ko-Halle herausgetreten war, sah ich Destrukte, zerbrochene Strukturen, wollte sie vorerst nicht berühren und gelangte, einem Riss im Fußboden folgend, der sie mit etwas Unzerbrochenem verband, zu eben diesem audiovisuellen Verfahren

Foto: 951
Regale, halb voll mit Ballons aus Ausatemluft, in dieser Installation mit dem Titel „Jak długo potrafisz zatrzymać oddech na wydechu“ (Wie lange kannst du beim Ausatmen den Atem anhalten) fragte Norbert Delman so rhetorisch nicht-fragend. Ausgesät im Regal der Buchbestände, voller Fächer von verschiedener Größe, Klassifikation und unterschiedlichem Luftinhalt
http://www.youtube.com/watch?v=y5xbe40crvQQuellmaterial öffnen
Luft in und um und ein Ausatmen, das schon seinem Ende zuging, nachdem ich jenen Teil der Ko-Halle verlassen hatte, aus dem diese Schränkchen genommen, hierher gebracht und aufgestellt worden waren, als mache man sich über die Satt-uation des nur scheinbaren Heraustretens aus der Kohäsion der Halle lustig, die in diesem ihrem Ausdruck als Echo in ein kleines Fach für einen menschlichen Atemzug aus der Brust hineinschiebt
besiegelt – „opiecz-ętowanej“ – mit der Signatur der Bestimmung, der „kaf-el-k“, Kachelfragmente und menschlicher Widerstandskräfte gegen ein System von Poren, und alles aufgenommen von einer Videoaufzeichnung, die das Rezept für eine Entlassung beglaubigen soll, Sig-Natur eines Fingerhuts. Hinter meinem Rücken spürte ich eine begleitende Unterschriftsgeste, „K“,

Foto: 951
mir fiel ein solches „i“ ein, in Lublin auf die Wände gesprüht, doch hier bediente sich Karol Kaczorowski des Rußes. Wie ein Handabdruck, doch zu stark berechnet, umzeichnet, ein seiner Natur entrissenes Signal, um ein ganz sig-natürlicher Abdruck dessen zu sein, was durch seine Einzeichnung im Gedächtnis festmachen, ankern, sich niederlassen wollte, als dürste das Un-Benennbare nach Bestimmung, um nicht ganz zu verschwinden. Einen Menschen kann man unmöglich benennen, nur sein Andauern gewährt ihm Sinn; benennen kann man wohl nur Gegenstände, Dinge, keine Menschen, obwohl dieses Verlangen so lebendig ist wie der Mensch selbst. Der Ruß, der im Wind der Betrachterwelle auseinanderstob, brachte mich dem „Ślad kurortu“ (Spur des Kurorts) näher
Foto: 951
/wo Agnieszka Sobczak die Proustsche Madeleine, ihre Erinnerungen, zielsicher ansetzt, hier aus Seil, Lack, Vanilleeis und Papier präpariert
Foto: 951
/ hinabfallend wie ein Seil vom Himmelsgewölbe, unter die Erde, wo sie unter der das ganze Gebäude verbindenden Wärmeübergabestation schmilzt
Foto: 951
/ zu warmem Eis von Erinnerungen, die in den Kanal fließen, dorthin, wo Fahrgestelle repariert wurden, einst an Müllwagen und heute vielleicht an wirklichen Vergessensmaschinchen – sich entwertenden Ideen und Werten der post-reparativen Neo-Post-Moderne. Dort schaukeln sie wie Bojen auf dem Fluss „Demo-kryta/ej“, im Trauerflor der Oberflächlichkeit aller Tunnel und Unter-Gründe

Foto: 951
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wie Perlen eines Gebets um einen Rest Erinnerung, Erinnerung, flüchtigen Sinn und Puls, abwechselnd mit Einatmen und Ausatmen, mit dem Sich-Entfernen und Näherkommen des Lichts in Rot- und Blautönen. Auf diesem Weg gehe ich Stimmen nach, die sorglos aus dem Nebenraum entweichen. Vier Bildschirme, im gegenseitigen Verstärken ihrer Inhalte synchronisiert, senden Äußerungen ihrer Bewohner. Das ist „S-Tarcie“ (Zusammenstoß/Reibung), nicht ihr Aufeinanderprallen, obwohl vielleicht auch das, sondern vor allem eine Anatomie des Sich-Reibens, der Zusammenstöße, der Straßenkämpfe, der Aggression, die bei diesen Protagonisten ein Ausbruch ungebändigter Energie ist, ein Blind-Handeln, eine Verschwendung des vitalen Elans junger Männer
http://www.youtube.com/watch?v=QFnh9-7a5nUQuellmaterial öffnen
denen ein paar einfache Fragen gestellt wurden, so angelegt, dass sie auf die Zu-sammen-Reibung konzentrierten
auf diese Weise, mit vor Freude geröteten Gesichtern dieser Sprecher, die straflos von ihren Faszinationen und Ängsten erzählen können, und genau an dieser Berührungsstelle von Angst und Faszination tauche ich aus jenem Raum auf, gehe an einem Fenster vorbei, auf das mit Gummi in Druckbuchstaben Folgendes geschrieben wurde – „To i Owo“ (Dies und Das), und statt des „i“, des „und“, sehe ich einen Pfeiler, der die Fenster verbindet, wie auf dem beigefügten Bild
Foto:
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/ was dies und das bedeutet.. es kann so viel bedeuten, in einer so kleinen Geste

Foto: Anna Bajorek
so viel Schlagkraft dieser hier so gefassten Wendung wirkt wie ein Innen-Außen-Spiegel, Flügel mit einem so weit ausholenden Minimum, dass ich sehe, was das Wesen oder zumindest die Nähe des „aktualim“ ist – Angst und Faszination –, diese, zur Architektur einer Tatsache oder eines Aktes vereint, zeigen mir das Spektrum der Geste eines zeitgenössischen Künstlers, irgendwo zwischen diesen beiden, einmal näher, einmal weniger zusammenhängend in den Teilen, mittels einer Passage in ein Durch-Streichkonzert, ein solcher Flughafen semantischer Starts. Ich drehe mich um, suche ein Flugzeug, und da steht es: '"Untitlet"Dimensions variable . Carboard and tape' (Ohne Titel. Variable Maße. Pappe und Klebeband), ein Zwei-Flügler. (Dokumentation in Kürze) Wie viel passt zwischen zwei mit Klebeband befestigte Pappwinkel, und wie weit kann man damit fliegen? Damals wusste ich es noch nicht genau, sah den Treibstoff nicht, was in einer solchen Situation Treibstoff ist. Und dann hörte ich in diesem Garten der Maschinen ein Krachen, im kleinen Nebenraum, der ein blind endender Korridor war, die Tür darin durch einen Monitor blockiert, der ein vibrierendes Glas übertrug, gepeitscht von Furchen aus Parolen aus der Familie der Slangs und Vulgarismen, vermischt mit Bedauern und Vorwurf, in einen Kelch der Bitterkeit, zu vielen Prozent mit Alkohol vermengt; in dieser „Kohezja(Laboratorium)“ (Kohäsion/Laboratorium) wurde mit der Haltbarkeit von Glas in Gestalt eines Trinkglases experimentiert und mit der Nüchternheit der Augen, befreit vom Joch des Verbotenen und Gebotenen, im Zeichen einer ihnen verliehenen handelnden und entscheidenden Rolle in dieser zerschlagenden Zuständigkeit
http://www.youtube.com/watch?v=rP1s_baH1-wQuellmaterial öffnen
die Diskussion drehte im Forum ihre Runde, kehrte mit verdoppelter Kraft wieder und zersprengte das Glas zyklisch in kleinste Scherben, nur der Stiel blieb, und vielleicht ein Tropfen am Boden. Kohäsion, durch einen Haufen Beschwörungen entzaubert. Ich ging hinaus, ein wenig unter dem Einfluss dieser zu einer Mikro-Bombe zusammengepressten Rebellion („si-tego“), und das Motorrad aus den Augenwinkeln streifend, auf dem Tymon Nogalski in meiner Vorstellung durch diese Halle fuhr, quietschend synthetische Reifenspuren auf dem öligen Boden hinterlassend, bis an die Grenzen von Reibung und Wärme, bis zur kritischen Ungewissheit, ob das Öl auf dem gesamten Hallenboden nicht Feuer fangen würde; auf diese Weise die Wärmeübergabestation der Atmosphäre abkühlen wollend, näherte ich mich dem benachbarten Regal, wieder leer, in den Fächern konnte man einen Platz für sich finden usw., doch nicht überall. Dort war nämlich ein Meter Regal von Michalina Ludmiła Musielak mithilfe eines Fernsehers gebucht, der sich vollkommen in den selbstverständlichen Ort einfügte, fähig, jeden zu interessieren und einzubeziehen, der sich, so weit das Auge reichte, in der Halle befinden mochte. Und eigentlich konnte man von überall in der Halle diesen kleinen Fernseher sehen, und darin „Pani Krysia“ (Frau Krysia)
http://www.youtube.com/watch?v=bcnOUhOwCswQuellmaterial öffnen
Diese schöne ältere Person erzählte von der jüdischen Gemeinschaft, die einst so reich in unserer Kultur und Landschaft vertreten war, von ihrer Tragödie. Sie sprach bewegt, immer wieder ergriffen, im Wechsel, niemals einseitig, stets neigte sie sich zu, niemals ab, unablässig lebhaft und vieldeutig, als spreche sie über alles mit Gefühl. So sprechend verbarg sie den Kern der Sache, unmöglich zu entscheiden, wovon sie sprach, doch zeigte sich darin ein hoher Grad an Geschlossenheit, ein wahres Forschungsmodell, in dieser Bildgebung lebhaft gegenwärtig: Frau Krysia – erinnerte sich. Nach der Vorführung drehte ich mich um, und vor meinen Augen erschien ein verknäueltes Geklapper aus Wäscheklammern und Klebstoff, „Wspinacze“ (Kletterer)

/ mit denen Marcin Bednarczyk mitten im Raum bis an die Grenzen der Kohäsion emporklettert. Interessant muss der Augenblick gewesen sein, als diese Holz-Federchen zum Aufhängen von Wäsche sich nicht mehr miteinander empor-klammer-ten. Vielleicht de-konstruiert dies die Eigenschaft der Kohäsion bis zur Nacktheit, die doch ihren Geltungsbereich, ihren Raum, ihr Widerstandsfeld hat, eine leise Neigung, dem Wind überlassen wie jene Kunde vom Öhr der Klammer, durch das man mit Aufmerksamkeit hindurchgehen kann
Bild: Dominika Olszowy, Maria Ewa Toboła, Anna Miczko
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unterdessen war es, wie zu sehen, von der Größe einer Nadelspitze, weshalb ich mich in Richtung von 'Untitlet, wooden triangles' (Ohne Titel, Holzdreiecke) entfernte – einem Vehikel aus zu einer Halbkugel zusammengenagelten Dreiecken

Foto: 951
/ das Dreieck als erste geometrische Figur, erste Fläche, die 2. Dimension, erwachsen aus der ersten – der Linie – und der 3. zustrebend, dem Körper, dessen erste Erscheinung durchaus eine Halbkugel sein kann, obwohl ebenso sehr ein Viereck, zusammengesetzt aus drei Flächen in Form gleichseitiger Dreiecke; jedoch eignet sich auch eine Halbkugel hervorragend als interdimensionales Vehikel, als hölzernes, synthetisches Skelett des Wachstums, wie ein Punkt des Goldenen Schnitts einer Pyramide, eine Sarkophagkammer, in der so selten Mumien gefunden wurden. Man möchte hineingehen, aber die Wände sind wie ein Gitter und machen es unmöglich, dieses Potenzial zu erfahren. Die Materie schöpferisch zum Gehorsam zwingen, eine ihren Eigenschaften fremde Form zu bilden; die Materie waren Dreiecke, und sie sind es noch, denn als solche eben Materie in irgendeinem Novum dort so nach-drücklich. Nebenan hörte ich Scheuern, wieder eine Drehung um 180 Grad, ein Blick und nichts. Ein Rascheln, in den Raum eingerieben, mit ihm zu einer Einheit gerieben, zusammenhängend und artig, etwas wie Scheuern; der angestrengte Blick vermag die Aktion von Justyna Misiuk namens „mydło“ (Seife) zu erfassen
http://www.forum.com.pl/oferty/xq9f1ldz/zdjecie.php?idzdjecia=1604267, mit dem Titel gebenden Material reinigte die Künstlerin ein winziges Stück der Halle, Reiben, Abschleifen, Reinigen, die unauslöschliche Erinnerung an den Klang im Hintergrund, ein konkreter Drone an der Wand, eine Frage des Einreibens ins Gedächtnis mithilfe von Metaphern – der Mimet-ik der Geste. Dann näherte ich mich der verstreuten festen Flüssigkeit in der Gallerte zwischen zwei Winkeln aus Holz

Foto: 951
/dieses „Tota“, das Destrukt eines Würfels aus Gelatine, zitterte zum Glück nicht in der Gestalt des menschlichen Schimmers einer Form, denn das wäre eine schmerzhafte Erfahrung gewesen. Es zerfiel in Glibber und verschleimte sich über den Boden, bildete einen statischen Fleck, aus dem Reste der aus Knochen gepressten Säfte tropften, und verströmte einen Geruch, der sich mit leisem Flüstern in alle Poren drängte, den Geruch von Mark und der bis ins Mark reichenden Zerstäubung des kristallinen Zusammenhalts des Skeletts eines Lebewesens. Eine Stimme für die Berührung des Daseins mit einem Respekt, der jenes Geheimnisses würdig ist, dank dessen überhaupt irgendjemand seinen Mund öffnen kann.
Foto:
www.michaldabrowski.com
/dort ist Kohäsion der Zusammenhalt eines himmelhohen Intensivraums von Semantiken – des physischen Ungehorsams eines geistig-materiellen Breis, der zugleich Ekel und Hineingezogensein weckt, Angst und Faszination, Angst auf der Ebene von Gedankenformen, Empfindungen und Versenkungen, Faszination in der instinktiven Körperlichkeit der Triebe und der Aggression. Psycho-metaphysische und psycho-physische Reibung in uns selbst. Nur eine auf den Boden geworfene Masse unbekannter Bestimmung, ausgepackt aus einem in zwei Hälften getrennten Würfel, und gegenüber in der Ferne nimmt das in der Winkelform kohärente, wie ein Haus auf fremder Erde scheinbar niedergelassene Pappmonster Öl vom Boden des Vergessens auf und hebt den Bedeutungsflug über das hinaus, was man in seiner Vorstellung feststecken kann. Doch auf dem Öl im Kopf stehend, spürte ich irgendwo hinter mir jemandes Schritte. Bevor ich mich umdrehen konnte, stieß ich auf mich selbst, der mich mitriss und mit sich verband, sodass wir im Gleichschritt in die ölige Masse luftdurchsetzter, feucht gewordener Knochen hineinstürzten. Ich glaubte nicht, dass das wahr war, doch der Anlauf, den jener zum Treten des Balls brauchte, von dem das andere Ich während seines Auftritts vor einer nicht kleinen Menschengruppe sprach, trug zu diesem Unfall bei. Rasch wieder zu mir gekommen, ohne dabei den anderen abzuschütteln, mit dem verbunden ich zum Ball lief, der in der hypothetischen Sphäre 5,5 Meter vor der Torlinie stand. Indem ich seinen Flug demonstrierte, zeigte ich die Distanz und den Unterschied der aufeinander eindringenden Kräfte des Einzelnen und der Masse sowie der Sphäre des Dramas und der Technologie. Mit einem Wort: Die vom Drama abgeschossene Kugel hielt den Angriff des Stürmers der Systematisierung auf. Ein Rinnsal Blut floss und fiel auf die Schalen der Form.
(Dok. http://wyspastan.blogspot.com/search?updated-max=2013-02-02T18:25:00-08:00&max-results=7 – Beschreibung im vorherigen Beitrag) Reine Schlussfolgerung und eine Ausgangskarte aus diesem Schauspiel, ohne zum Roboter geworden zu sein, dank dessen, gerade dank ihm. Er war eine Herausforderung. Dazu verkündete die grüßende „kohezja gestu“ (Kohäsion der Geste) einer unabhängigen Hand, indem sie die Finger ihrer anderen, mit roter Farbe bedeckten Hand auseinanderteilte, das Land fravarthi
http://www.youtube.com/watch?v=ZCNtQwo49tgQuellmaterial öffnen später löste 313 langsam die Hand von der Wand und hinterließ einen Abdruck
und noch im Beiboot, schon auf der Afterparty, der Abdruck eines Kusses
Foto: Marcin Morawicki
/im Klang über Kopfhörer ohne Aufstampfen in der Klanginstallation von Marcin Morawicki
wo die Intimität und Wirklichkeit der Halle menschlicher Tiefe nun vollends aus dem Sack der Widerstandskräfte fiel und sich in Unterrock und Hosenträger kleidete

Foto: Marcin Morawicki
/in diesem Dis-Posi-Kons-Tanz wandte ich mich lächelnd dem Ausgang zu.
Ich verließ die Ausstellung mit dem Gefühl, jemand habe sie konzeptuell gut geplant, doch die Betrachter stellten sich diesem Szenario gegenüber. Die Kohäsion zwischen ihnen und den Künstlern ist eine Bedingung der Kunst. Die Augen des großen Bruders unter dem Auge großer Brüder, betrachtet vom großen Bruder auf dem Tablett des Großen, ein weiteres Mal und so weiter, sodass sich das, was übrig blieb, nicht mehr katalogisieren lässt; es bleibt nur, daraus belebend zu schöpfen wie aus einem Boden, wie aus Erde, in der Kohäsion von Zusammenhalt und Zerfall, um nicht zu erstarren und sich nicht ins Nichtsein aufzulösen. Das Gefühl der Katharsis als Gefühl der Kohäsion – ein Heilmittel gegen Redundanz. Kohäsion – der Modus Vivendi der Ausstellung, sie dauert immer an und erfüllt sich nie. Mit diesem Gefühl und belebter Erinnerung hinausgehend, gedachte ich voller Respekt und Anerkennung aller Künstler, des Ausstellungskurators Prof. Mirosław Bałka und seiner Assistentin Karolina Kubik sowie der Produzentin Agnieszka Warakomska, der Leitung des Nowy Teatr unter Direktor Krzysztof Warlikowski und aller, die dort anwesend und voller Aufmerksamkeit waren.

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