Oskar Chmioła / Presseartikel / 9. Januar 2015
Was ist Performance? — Artikel
Ein Artikel von Oskar Chmioła, erschienen am 9. Januar 2015 in der Gazeta Polska Codziennie (S. 12, Ressort Publicystyka, Rubrik Plastyka). Der Autor beschreibt Performance als Komposition in Zeit und Raum und vergleicht anschließend unterschiedliche Auffassungen von Präsenz, Prozess, Dokumentation und gesellschaftlicher Handlungsmacht. Ein Scan der vollständigen Seite ist unten zugänglich.
Werkdaten und Einordnung
- Datum / Zeitraum
- 9. Januar 2015
- Ort
- Gazeta Polska Codziennie, S. 12; Ressort Publicystyka, Rubrik Plastyka
- Rolle und Mitwirkende
- Autor
- Gattung
- Artikel über Performancekunst
- Art des Ereignisses
- Presseveröffentlichung
- Ansatz / Perspektive
- Reflexion über Kunst; Wissensvermittlung
- Thematischer Schwerpunkt (Interpretation)
- Äußerung als Handlung; Autorschaft, Wahl und Verantwortung
- Stil / Art der Umsetzung
- analytischer Artikel; Vergleich von Positionen und eigene Stellungnahme
Die Einordnung ist eine redaktionelle Bearbeitung. Vergleichskategorien bedeuten weder eine Zugehörigkeit zu einer Bewegung noch eine erklärte Inspiration.
Argumentation des Artikels und Position des Autors
Der Artikel geht von einer praktischen Definition aus: Performance gestaltet mit beliebigen Mitteln eine Komposition in Zeit und Raum. Chmioła betont den schöpferischen Prozess, nicht nur dessen Endergebnis. Dieses weite Verständnis umfasst zugleich die Folgen der Handlung: ihre Dokumentation und die entstehenden kulturellen Symbole. Der Text schreibt somit kein abgeschlossenes Rezept vor, sondern zeigt den Streit darüber, wo ein performatives Werk beginnt und endet.
Die erste zentrale Vergleichsachse betrifft das Verhältnis zwischen lebendiger Präsenz und Archiv. In der Darstellung des Autors steht Tino Sehgal für eine Position, die die Erfahrung des Werks an das Hier und Jetzt bindet und die Aufzeichnung von Auftritten ablehnt. Przemysław Kwiek bildet den Gegenpol: Der Prozess dauert nach der Ausführung im Archiv fort, seine Praxis wird mit dem Begriff appearance bezeichnet. Die Gegenüberstellung unterscheidet zwei Existenzweisen des Werks, ohne Fotografien und Aufzeichnungen auf neutrale Ergänzungen zu reduzieren.
Ein weiteres Problem ist die Erzeugung eines kulturellen Zeichens. Anhand von Yves Kleins Fotomontagen zum Sprung in die Leere hebt der Autor die Wirkungsmöglichkeit eines Handlungsbildes hervor. Die öffentliche Zirkulation von Darstellungen erscheint dabei als eigenständiges Bedeutungsfeld. Daneben steht der Alltag: Ewa Zarzyckas anekdotische Auftritte führen gewöhnliche Erfahrungen in die Kunst ein und verändern ihren kommunikativen Status.
Anschließend unterscheidet der Artikel authentisches Erleben, Spontaneität und Wirksamkeit des Handelns. Im Zusammenhang mit Szuwarski 313 erörtert er den Widerstand gegen eine Inszenierung des Erlebens. Alastair MacLennan dient als Beispiel für ein Denken in menschlichen Leistungen und Folgen der Performance, darunter Konfliktlösung. Dies sind im Text Chmiołas dargestellte Positionen, kein allgemeines Wirkungsversprechen für jede künstlerische Handlung.
Im Abschnitt über Transgression und Konvention erscheint Anna Jochymek. Im Zentrum steht die Umkehrung der alltäglichen Vorstellung, der Mensch bediene sich einfach der Dinge und Normen: Auch diese organisieren sein Verhalten. Bei Anna Kalwajtys hebt der Autor die Intervention im öffentlichen Raum als Möglichkeit hervor, ein Verhältnis zur Welt sichtbar zu machen und gemeinsame Präsenz neu zu bedenken.
Für das Verständnis von Chmiołas eigener Praxis ist seine Selbstbestimmung im Artikel besonders wichtig. Er identifiziert sich mit Performance als Bejahung menschlicher Möglichkeiten: Denken, Kommunizieren und Handeln ermöglichen es, Beziehungen, Seinsweisen und eine vorgefundene Quasiwirklichkeit neu zu begründen. Diese Passage ist eine unmittelbare Erklärung des Künstlers, keine ihm von außen zugeschriebene Inspiration.
Der Schluss lässt die Definition offen: Die Reichweite von Performance hängt vom Bewusstsein und den Praktiken der Kunstschaffenden ab. Der Überblick erfasst nicht alle Formen, insbesondere nicht kollektive Aktionen und Interaktionen. Die publizistische Form verbindet damit die Erläuterung des Begriffs mit der eigenen Position des Autors. Die Rubriküberschrift W kontrze do skostniałych form (Gegen erstarrte Formen) bildet den Rahmen der Zeitungspräsentation.
Die Seitengestaltung stellt dem Text drei Reproduktionen zur Seite: Przemysław Kwieks Rozplątywanie świata in Dąbrowa, Ewa Zarzyckas Fikcyjne prawdy in der Galeria BWA in Zielona Góra (2011) und eine Aktion von Anna Kalwajtys in Amsterdam (2014). Die redaktionellen Bildunterschriften kennzeichnen die Fotografien als Archivmaterial. Der spätere Blogeintrag Performance — próba definicji, den der Autor am 15. Juni 2017 veröffentlichte, stellt den Scan dieses Artikels bereit; er ist keine weitere, nicht identifizierte Veröffentlichung mit ähnlichem Titel.
Bilder, Dateien und Dokumentation

Originale Portfoliotafeln

Kunsthistorische und geisteswissenschaftliche Kontexte
Lektüre- und Vergleichsvorschläge, von dokumentierten Bezügen unterschieden.
Sprechen als Handeln
John L. Austin, Roman Ondák
Autorschaft, Auswahl und Verantwortung
Marcel Duchamp, Joan Jonas
Vom Künstler übermittelter CV-Eintrag — Übersetzung
2015 – Veröffentlichung eines Artikels in Gazeta Polska (Was ist Performance?),
Ausarbeitung anhand des vollständigen Scans: 23. September 2026.