Oskar Chmioła / Werke und Aktionen
Sinn
Sens
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Zyklus: Realität · Performance 3 von 9
Das alltägliche Aufhängen von Wäsche eröffnet eine Frage nach Sinn und Freiheit. Eine vor dem Publikum gebaute Installation aus Möbeln und Alltagsgegenständen wird zur Metapher des menschlichen Inneren.
Redaktionelle Beschreibung auf Grundlage der erhaltenen Quelle
- Datum
- Ort
- Opera na Zamku, Szczecin
Beteiligte und Rollen
- Oskar Chmioła — Performance
Vollständige Texte und Dokumentation
Bildunterschriften und Urheberangaben bleiben in ihrem Quellenkontext. Die Dokumentation einer Gruppenausstellung dokumentiert nicht automatisch ausschließlich Werke von Oskar Chmioła.
Bildende Kunst
Eigenständiger Quelldatensatz · chmiola.com
WAS IST DER SINN VON ALLEM?
Sens
Opera na Zamku, Szczecin, 08.09.2017

Die Performance „Sens“ ist eine kurze Veranschaulichung möglicher Folgen der Langsamkeit. Sie erzählt von einem Menschen, der während des routinemäßigen Wäscheaufhängens plötzlich innehält, sich besinnt und beginnt, über den Sinn des Daseins nachzudenken. Dies führt ihn zu der Einsicht, dass „das Leben ein Hinterhof ist“, ein freundlicher Ort, mit dem man tun kann, was man will. Er beschließt daher, sein eigenes Sinnempfinden freizusetzen. „Sens“ ist eine Installation aus Möbeln und Alltagsgegenständen, die vor den Augen der Zuschauer aufgebaut wird. Diese multimediale Performance besteht darin, die Atmosphäre einer Wohnung herzustellen und sie anschließend zu dekonstruieren. Der Künstler deutet damit an, dass es viele Bedeutungen geben kann: Sie können uneindeutig, leise, langsam, verborgen, anders und unverständlich sein, denn Sinn ist das Wesen menschlicher Freiheit. Der Sinn jedes Menschen gehört ihm selbst. Bedeutungen sind gleichwertig und existieren nebeneinander. Die Wirklichkeit ist eine Polyfonie von Bedeutungen. Die auf diese Weise entstehende Installation belegt diese Polyfonie durch die Vielzahl möglicher Deutungen. Diese Vielzahl wird bewusst dadurch ausgelöst, dass die Skulptur einen Titel erhält, der wie eine performative Äußerung suggeriert, dass etwas geschehen wird. Hier ist es gewissermaßen das Versprechen, durch die Begegnung mit der Installation „Sens“ das Wesen des Sinns zu erkennen. Die Performance „Sens“ wurde erstmals am 8. September 2017 in der Opera na Zamku im Schloss der Pommerschen Herzöge in Szczecin im Rahmen des Kunststipendiums des Marschalls der Woiwodschaft Zachodniopomorskie ausgeführt. Sie kann als Videodokumentation dieser Veranstaltung gezeigt oder in jedem beliebigen Ausstellungsraum erneut durchgeführt werden. Dabei entsteht eine multimediale räumliche Installation mit drei, zwei oder einem Kanal – abhängig vom Ort und den Möglichkeiten. Diese Fassung wird sich von der in der Dokumentation aus der Opera na Zamku gezeigten unterscheiden, doch die allgemeinen Voraussetzungen und der Ablauf bleiben gleich. Die Performance „Sens“ vollzieht sich als Prozess. Sie beginnt mit der Entscheidung, dass diese Performance ausgeführt wird. Anschließend sucht der Autor die benötigten Möbel und Alltagsgegenstände. Er findet sie in Hinterhöfen und Großwohnsiedlungen: hastig zurückgelassen, herrenlos, ihres Sinns beraubt, langsam verfallend. Nicht selten sind es vollständig brauchbare, komplette und unbeschädigte Gegenstände, die jedoch veraltet, unmodisch oder einfach überflüssig geworden sind. Aus diesen konkreten Dingen plant der Autor, Sinn aufzubauen. Er zeichnet Skizzen, vermisst den Raum, benutzt die Dinge und komponiert seinen räumlich-zeitlichen Auftritt. Erst dann vollzieht sich der schöpferische Akt vollständig, durch den ihnen ein neuer Sinn verliehen wird. Die Dekonstruktion der Wohnung ist von Kurt Schwitters’ Idee des Merzbau inspiriert und lässt sich als Ausdruck des Aufbegehrens gegen festgefahrene Normen, gesellschaftliche Rollen und Bedeutungen verstehen. Sie kann schließlich ein Bekenntnis zur Freiheit kompromissloser Selbstbestimmung sein, dazu, im Einklang mit der eigenen Empfindsamkeit zu leben und anders zu sein. Die Performance „Sens“ verläuft langsam, um durch Langsamkeit die Erkenntnis des individuellen Sinns zu erleichtern. Sie erzählt von Freiheit als Unabhängigkeit von auferlegten Rahmen und Bedeutungen. Die Wohnung wird als Metapher für das menschliche Innere behandelt. Ihr symbolischer Umbau soll als Therapie dienen, mit der das Bewusstsein des Autors und der Zuschauer umgestaltet wird. Die Leiter als konstruktive Achse soll Raum dafür öffnen, „Sens“ als Nachdenken über die fixe Idee zu deuten, die letzte Sprosse des Wissens über den Sinn zu erreichen. Hat es Sinn, nach dem Sinn zu fragen, wenn das Sinnempfinden ein Synonym für Glück und Wissen ist? Ist Sinn das, wonach der Mensch strebt, oder das, wovor er flieht? Schärfen zwischenmenschliche Unterschiede das Bewusstsein für den Sinn der gesamten Wirklichkeit? Wie wichtig ist die Entdeckung des individuellen Sinns für die Erkenntnis eines allgemeinen Sinns? Der Autor führt seine seltsame Aktivität beharrlich fort, und langsam entsteht ein sonderbares Gewirr aus Möbeln, die an einer hohen Leiter befestigt sind. Dieser mit Bedacht geschaffene scheinbare Unsinn regt dazu an, nach wirklichem Sinn zu suchen. Eine Abschweifung darüber, dass Sinn zwar mehrdeutig ist und nicht a priori existiert, aber dennoch ein Wesen der Dinge besitzen muss. Denn die Beschäftigung mit ihm verstärkt die menschliche Konzentration auf die Aktualisierung des eigenen Status quo und allgemeinmenschlicher Werte. Das macht uns zu bewussten Schöpfern von Sinn und somit auch von Wirklichkeit.
Bearbeitungsstand
Die Vereinheitlichung von Daten, Techniken und Rollen sowie der Vergleich mit aktuellen Quellen bleiben zu prüfen.